Internationale Gamer-Umfrage
"Die Zukunft ist schon hier - sie ist nur ungleich verteilt." Oder im englischen Original: "The future is already here - it is just unevenly distributed." Diese Einsicht des Sci-Fi-Schriftstellers William Gibson, der einst das Wort Cyberspace erfand, erklärt auch einige der Zahlen, die gerade eine internationale Untersuchung von TNS Infratest ergab.
Die beste Nachricht: In allen befragten Nationen spielt die Mehrheit der Menschen, die Zugang zum Internet haben. Die zweitbeste Nachricht: In Deutschland sind erst 65 Prozent der Netizen zugleich Gamer, in den USA schon 83 Prozent. Damit liegt Deutschland auch hinter Belgien mit 67, den Niederlanden mit 70 und Grossbritannien mit 73 Prozent Gamern. Nur in der Grande-Ordinateur-Muffel-Nation Frankreich spielen noch weniger Online-Bürger (63 Prozent).
Insgesamt befragte TNS Infratest im Auftrag von gamesindustry.com 13 000 Personen, in Deutschland knapp über 2000. Die exakten Ergebnisse der Studie sind kostenpflichtig (zwischen 3000 und 25 000 Euro je nach Datenset). Aber der Pressemitteilung lässt sich immerhin entnehmen:
"Neben Internet und Fernsehen zählen Computerspiele zur beliebtesten Freizeitbeschäftigung junger Menschen. Männliche Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren spielen pro Woche fast zehn Stunden; diese Zeit entspricht in etwa der, die sie im Internet und vor dem Fernseher verbringen."
Auch einige Gratis-Grafiken verraten schon Interessantes über das Spielverhalten der Deutschen. Doch leider sind diese Grafiken beim gegenwärtigen Layout unseres Blogs nicht so gut lesbar, wie unten gut zu erkennen :-) Wir arbeiten dran.
Bis dahin hier einige der interessanteren Fakten in Textform:
- Der Prozentsatz von Männern und Frauen, die spielen, gleicht sich an (67 Prozent der deutschen Männer, 63 Prozent der deutschen Frauen).
- Der Zeitanteil von Games in der Mediennutzung liegt bei Männern wie Frauen aller Altersgruppen vor den Printmedien Magazin und Zeitung, aber noch hinter Radio, Internet und Fernsehen. Internet und Fernsehen rangieren gleich auf und werden rund 9 Stunden pro Woche genutzt, Radio rund 6 Stunden, Games rund 3 Stunden (3,5 Stunden bei Männern, 2,5 bei Frauen).
- Der höchste Prozentsatz von Spielern findet sich bei den 13-19-Jährigen: 91 Prozent der männlichen Befragten und 84 Prozent der weiblichen Befragten spielen.
- Unter den männlichen Befragten hält die Gruppe der 13-19-Jährigen mit 10,1 Stunden pro Woche auch den Spielzeit-Rekord - nicht jedoch bei den weiblichen Befragten. Hier spielen die 25-49-Jährigen mit 4,4 Stunden pro Woche am längsten.
- In der Altersgruppe 50+ spielen mehr Frauen als Männer und sie spielen auch länger (37 Prozent der Männer, 42 Prozent der Frauen; 2,5 zu 3,5 Stunden).
- Je jünger die Spieler, desto eher spielen sie an Konsolen - über 70 Prozent der 8-12-Jährigen, unter 10 Prozent der Über-50-Jährigen).
- Der Anteil der Spieler, die Online-Portale nutzen, ist dagegen altersmäßig ausgeglichener, die Zahlen schwanken "nur" zwischen rund 40 und rund 20 Prozent. Dafür aber fällt auf, dass in allen Altersgruppen mehr Frauen als Männer Online-Portale nutzen, etwa unter den 8-12-Jährigen 41 Prozent der weiblichen vs. 34 Prozent der männlichen Befragten und unter den Über-50-Jährigen 20 Prozent der weiblichen vs. 10 Prozent der männlichen Befragten.
- Die 20-34-Jährigen stellen bei beiden Geschlechtern den höchsten Anteil derjenigen, die auch auf Mobiltelefonen spielen (36 Prozent der Männer, 22 Prozent der Frauen). Die Über-50-Jährigen nutzen ihre Handies und Smartphones dagegen erwartungsgemäß kaum zum Spielen (4 Prozent der Männer, 2 Prozent der Frauen).
- PC-Spiele dominieren weiterhin die Nutzung (73 Prozent der Männer, 66 Prozent der Frauen), gefolgt von Konsolenspielen (57 Prozent der Männer, 54 Prozent der Frauen) und Online-Spielen (35 Prozent der Männer, 46 Prozent der Frauen) sowie Spielen auf Mobiltelefonen (21 Prozent der Männer, 20 Prozent der Frauen).
Die Grafiken lassen sich hier herunterladen.
(Parallel gepostet - mit ein paar Grafiken mehr - auf www.audiovisualität.de)

GUNDOLF S. FREYERMUTH
Gundolf S. Freyermuth is a founding director of the Cologne Game Lab and Professor of Comparative Media Studies at the ifs international film school, Cologne. His teaching and research concentrates on digital audiovisuality, cross- and transmediality, network culture and games.
Kontakt: gsf@colognegamelab.de


